Ist das digitale Rentenkonto mehr als eine Fata Morgana?

Aktualisiert: 21. Okt.

„Ich brauche einen transparenten Überblick über meine gesetzliche, betriebliche und

private Altersvorsorge!“ – in diesen Worten brachte neulich eine unserer Mandantinnen ihr Bedürfnis treffend auf den Punkt.


Natürlich unterstützen wir sie dabei gerne, doch die Frage ist: sollte diese Transparenz nicht eine Selbstverständlichkeit sein? Schließlich geht es dabei um die lebensnotwendige finanzielle Grundlage im Ruhestand. Und dieser macht, frohen Mutes, dann hoffentlich doch ca. 1/3 unseres Lebens aus.


Der Geistesblitz des Vaters Staat: das digitale Rentenkonto!


Dieses wichtige Bedürfnis hat die Bundesregierung erkannt; sehr gut, denn Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Daher wurde 2017 die Einführung des digitalen Rentenkontos beschlossen, das die Vorsorgeansprüche aller drei Schichten zentral zusammenführen und einsehbar machen soll.


Der ursprüngliche Plan war es, laut einer Pressemitteilung der Deutschen Renten Information e.V. (2018), dass spätestens bis Ende 2019 „Nutzer und Nutzerinnen einfach, datensicher und auf Knopfdruck ihre gesamten Alterseinkünfte einsehen können“.[1]

Doch wie wir sehen, sehen wir nichts und die Transparenz der Altersvorsorge bleibt vorerst Zukunftsmusik. Neues Ziel: 2023/24. Vielleicht. Oder so. Von den einmaligen und laufenden Kosten sollten wir an dieser Stelle gar nicht erst anfangen.


Deutschland hingt in Sachen Digitalisierung also mal wieder hinterher und kann sich von den Skandinaviern an dieser Stelle einiges abschauen – worüber in Deutschland noch diskutiert wird, setzen beispielsweise die Dänen bereits seit Jahren erfolgreich um.


Ein Schritt zurück: ist das digitale Rentenkonto überhaupt zielführend?


Unter der Voraussetzung, dass die Schnittstellenübertragung gut funktioniert, ist das Vorhaben durchaus positiv zu werten: ein schneller Überblick, um ein Gefühl für die Situation zu bekommen kann für viele bereits eine ausreichende Informationsbasis bieten. Speziell Personen mit tendenziell niedriger finanzieller Bildung erhalten darüber einen leichteren Zugang mit niedrigeren Eintrittsbarrieren.


Gleichzeitig bleiben wesentliche Fallstricke bestehen: es werden lediglich zugesprochene Renteneinnahmen berücksichtigt, aber nur bedingt das freie Vermögen. Zudem werden persönliche steuerliche Effekte nicht abgebildet und es ist fraglich, wie übersichtlich und intuitiv das Portal wirklich aufgebaut sein wird.

Schlussendlich sind die Kernfragen also weiterhin offen:

  • Wie steht es um meinen Ruhestand?

  • Was kann ich mir leisten?

  • Besteht die Möglichkeit vorzeitig in Rente zu gehen?

  • Kann ich meinen Kindern bereits heute Geld schenken?




Das Rentenkonto schafft einen ersten Überblick; eine Beratung Sicherheit und Verständnis


Eine Frage (mit einem Augenzwinkern) zur Diskussion: wäre es vielleicht sinnvoller, wenn der deutsche Staat die bereitgestellten Gelder dafür verwendet, um die Erstellung von individuellen Rentenplanungen durch Expert:innen zu fördern?


Die digitalen Systeme sind schließlich bereits vorhanden und jahrelang von erfahrenen Finanzplaner:innen getestet. Einen Zugang für einen ersten kostenlosen Ruhestands-Check finden Sie beispielsweise hier. Außerdem können die bereits angesprochenen Probleme durch eine persönliche Beratung gelöst und die korrekte Interpretation und Risikoidentifikation gewährleistet werden. Oder zusammengefasst: Mehr individueller Nutzen bereits heute – und nicht irgendwann und auf halber Informationsbasis.


Aber noch eine schöne Nachricht zum Abschluss: für unsere Mandantin waren die Ergebnisse ihrer Finanz- und Ruhestandsplanung ein positives Erlebnis. Sie hat nämlich, entgegen ihren unterschwelligen Befürchtungen, gar kein Rentenproblem – im Gegenteil.


[1] https://www.deutsche-renten.info/news/digitales-rentenkonto-dringend-benoetigt/ (02.06.2022)

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