YPOS Markets #33
- Lukas Restle

- 18. März
- 2 Min. Lesezeit

Die vergangene Woche in Zahlen:
Die vergangene Woche stand erneut im Zeichen geopolitischer Risikoaversion. Der MSCI World bewegte sich nahezu seitwärts, während Europa deutlich stärker unter Druck geriet. Die Energieimportabhängigkeit des Kontinents macht sich im Portfolio bemerkbar. Schwellenländer setzten ihre relative Stärke fort. Gold verlor rund 3 % und lieferte damit das vielleicht überraschendste Signal der Woche. Der Euro gab 1 % nach. Der Dollar übernimmt einmal mehr die Rolle des sicheren Hafens, wenn die Nerven an den Märkten blank liegen.
Das Thema der Woche:
Brent Crude stieg in neun Handelstagen um 69 %. Der Anstieg ist einer der schärfsten Ölpreisschocks seit dem Ukraine-Krieg 2022. Die Reaktion der Märkte war entsprechend: Risikoaversion auf breiter Front, Absicherung wo möglich, Verkauf wo nötig. Und doch lohnt ein zweiter Blick. Geopolitisch ausgelöste Ölpreis-Spikes haben historisch kurze Halbwertszeiten, denn Lieferwege passen sich an, diplomatische Kanäle öffnen sich wieder. Die IEA hat bereits eine Rekordfreigabe von 400 Mio. Barrel strategischer Reserven beschlossen, und erste Supertanker durchqueren die Straße von Hormus wieder. Der Markt preist das Worst-Case-Szenario aber die Realität entwickelt sich selten so linear.
Denn im allgemeinen Abverkauf werden Titel mitgezogen, die mit dem Ölpreis strukturell wenig zu tun haben. Branchen wie Technologie, Gesundheit oder nicht-zyklischer Konsum haben kaum direkte Energiekosten-Exposition. Sie leiden also nicht am Ölpreis, sondern an der Stimmung. Genau dort, wo Panik und Fundamentals auseinanderdriften, entstehen selektive Kaufgelegenheiten. Deeskalationsszenarien sind derzeit strukturell unterbewertet, das ist eine Information, die der Konsens gerade ignoriert.
Das vielleicht überraschendste Signal der Woche lieferte Gold. Rund 3 % Minus trotz Krisenmodus, das Gegenteil des klassischen Musters. Es ist kein Stimmungssignal, sondern ein Liquiditätssignal. Große Marktteilnehmer verkaufen, was liquide ist, um Verluste anderswo im Portfolio zu decken. Dieses Muster kennen wir aus 2008 und 2020 und beide Male fand Gold anschließend zur Krisenfunktion zurück. Wer jetzt verkauft, gibt den falschen Impuls weiter. Wer hält oder aufstockt denkt einen Schritt weiter.

Ausblick auf die nächste Handelswoche:
Heute Abend entscheidet die Fed, morgen die EZB über die Zinsen. Beide werden die Zinsen, laut Konsens, nicht anfassen. Powells Ton zum Stagflations-Dilemma und der neue Dot-Plot werden mehr bewegen als die Entscheidung selbst: Wie viele Zinssenkungen sehen die FOMC-Mitglieder noch für 2026? Die Antwort darauf dürfte die Rentenmärkte der kommenden Wochen prägen. Darüber hinaus bleibt die Straße von Hormus die eigentliche Schlüsselfrage, kein Konjunkturdatenpunkt der Woche wird stärker wirken als ein Signal aus Teheran. Und übergeordnet bleibt die Frage, die sich jeder Anleger stellen sollte: Stimmt das Stagflations-Narrativ wirklich, oder reagiert der Markt auf einen Schock, dessen Halbwertszeit kürzer ist als die Angst?
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