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Herd Behavior: Was der SpaceX-Börsengang über uns als Anleger verrät

Am 12. Juni 2026 war SPCX die meistgekaufte Aktie des Tages — bei einer vierfach überzeichneten Emission und einer Bewertung, die selbst ausgewiesene Analysten spaltet. Was erklärt dieses Verhalten? Und was hat es mit Ihrer eigenen Anlagestrategie zu tun?

Am 12. Juni ging SpaceX mit dem größten Börsengang aller Zeiten an die Börse. Die Emission war vierfach überzeichnet, über 500 Millionen Aktien wechselten am ersten Tag den Besitzer, SPCX war die meistgekaufte Aktie privater Anleger weltweit. Und das bei einem Unternehmen, das 2025 auf Konzernebene knapp 5 Milliarden US-Dollar Verlust geschrieben hat.


Starlink ist ein echtes Geschäft mit fast 40 Prozent operativer Marge — das ist unbestritten. Aber die Frage, die sich an diesem Tag kaum jemand gestellt hat: Warum kaufe ich heute, zu diesem Preis, dieses Unternehmen? Die ehrliche Antwort war bei den meisten: weil alle anderen es auch kaufen.


Warum das so funktioniert


Wer bei SpaceX kaufte, handelte aus einem gut dokumentierten Reflex: Wenn eine Bewertung schwer greifbar ist — und ein Umsatzmultiple von 94 ist das — orientiert man sich am Verhalten anderer. Morningstar bezifferte den fairen Wert auf 780 Milliarden US-Dollar. Das IPO-Preisniveau lag mehr als doppelt so hoch. Trotzdem war die Emission vierfach überzeichnet. Mit Fundamentalanalyse allein lässt sich das nicht erklären.


1,77 Bio. $

Börsenwert

am ersten Handelstag

Überzeichnung

der Emission

780 Mrd. $

Fairer Wert laut

Morningstar



Drei Muster, die sich beim SpaceX-IPO überlagert haben


  1. Institutionelle Käufer als Scheinbeweis

    Wenn Goldman Sachs die Emission führt und große Fonds zeichnen, liest man das als Qualitätssignal. Das Problem: Viele institutionelle Investoren kaufen SpaceX nicht, weil sie es für fair bewertet halten, sondern weil sie müssen. Der Nasdaq-100 wird von über 200 Produkten mit mehr als 600 Milliarden US-Dollar abgebildet. Bei Indexaufnahme sind alle diese Fonds verpflichtet zu kaufen — ohne Rücksicht auf die eigene Bewertungsmeinung, in einem Zeitfenster von fünf Handelstagen. Das ist kein Qualitätssignal. Das ist strukturelle Nachfrage.


  2. Die Geschichte schlägt die Zahl

    SpaceX, Starlink, Mars, KI, Elon Musk — das ist eine Geschichte, die funktioniert. Und starke Geschichten sind gefährlich, weil sie die Bereitschaft senken, unbequeme Zahlen zu lesen. Kumulierter Verlust seit Gründung: über 37 Milliarden US-Dollar. Umsatzmultiple zum IPO-Preis: 94. KI-Segment verbrennt mehr Kapital als Starlink verdient. Das steht alles im S-1. Wer verliebt ist in die Geschichte, liest es trotzdem anders.


  3. „Den größten Börsengang der Geschichte verpasse ich nicht"

    FOMO ist kein Randphänomen vernunftloser Anleger. Es ist ein gut dokumentierter Mechanismus, der unter Zeitdruck bei nahezu jedem auftritt. Am IPO-Tag existiert dieser Druck in Reinform: begrenzte Zeit, historischer Moment, alle kaufen. Was dabei wegfällt, ist die einzige Frage, die zählt: Passt diese Position zu meinem Vermögensplan — und zu welchem Preis bin ich bereit, sie zu halten, wenn der erste Hype abflaut?


Was das mit Ihrer Strategie zu tun hat


Der Ausgangspunkt einer strukturierten Anlagestrategie ist das finanzielle Ziel — nicht das Marktgeschehen. Daraus ergibt sich die erforderliche Rendite als mathematische Größe: Was muss das Vermögen erwirtschaften, damit der Plan aufgeht? Erst wenn diese Zahl bekannt ist, lässt sich beurteilen, welche Allokation sachlich geboten ist. Die Strategie folgt dem Plan — nicht der Nachrichtenlage.


Ein zweiter, eigenständiger Schritt ist die Prüfung der finanziellen Risikobereitschaft. Kann man eine Position wie SPCX im Portfolio halten, wenn der Kurs in den ersten sechs Monaten um 40 Prozent fällt? Wenn die Antwort nein ist — sei es aus emotionalen oder aus liquiditätsbezogenen Gründen — dann ist das keine Schwäche, sondern eine relevante Planungsgröße. Eine Strategie, die man in der ersten Korrektur aufgibt, war keine Strategie.


Wenn erforderliche Rendite und tragbare Schwankungsbreite auseinanderfallen, entsteht ein Widerspruch, der ausgehalten werden muss: Entweder wird das finanzielle Ziel angepasst, oder man entscheidet sich bewusst für eine Strategie, die über die eigene Komfortzone hinausgeht, weil der Plan es verlangt. Beides ist legitim. Was nicht funktioniert: eine Entscheidung im Moment hoher Euphorie treffen und sie später mit dem Plan rechtfertigen.


Reaktives Verhalten

Planbasierte Anlagestrategie

Kaufentscheidung entsteht aus Medienresonanz und dem Verhalten anderer

Ausgangspunkt ist das finanzielle Ziel — daraus folgt die erforderliche Rendite

Neue Positionen entstehen aus dem Moment, nicht aus dem Portfolio

Neue Positionen werden gegen die bestehende Allokation und den Planungsbedarf geprüft

Risikowahrnehmung sinkt, wenn alle kaufen

Finanzielle Risikobereitschaft wird als eigenständige Größe bestimmt — unabhängig vom Marktkonsens

Widersprüche zwischen Renditeerwartung und Risikobereitschaft werden ignoriert

Widersprüche werden explizit benannt und führen zu einer bewussten Entscheidung

Herdenverhalten tritt bei uns allen auf — vom Privatanleger genauso wie bei institutionellen. Studien zum Dispositionseffekt zeigen, dass selbst die aktivsten und erfahrensten Marktteilnehmer gegen solche Muster nicht immun sind. Die Frage ist nicht, ob man ihnen ausgesetzt ist, sondern ob die eigene Anlagestrategie so aufgebaut ist, dass solche Momente keine Entscheidungen erzwingen, die man nüchtern nicht treffen würde.


Der SpaceX-IPO ist ein gutes Lehrstück — nicht weil er ein schlechtes Investment ist, sondern weil er so sauber zeigt, wie diese drei Muster zusammenwirken. Rückblickend wird man sehen, wer eine Strategie hatte und wer eine Geschichte gekauft hat.

Für Ihr persönliches Gespräch: Wenn Sie sich fragen, wie Ihre aktuelle Portfoliostruktur gegen reaktive Entscheidungsmuster gesichert ist — oder ob eine Position wie SPCX in Ihren Vermögensplan passt — sprechen Sie uns gerne an.


 
 
 

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