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Steigende Fest- und Tagesgeldzinsen: Lohnt sich jetzt die Umschichtung aus dem Depot?

Aktualisiert: 8. Aug. 2023

Große Werbeplakate am Straßenrand und auffällig bunte Onlineanzeigen im Browser, die einem ihre Botschaft nur so entgegenschreien: „Kommen Sie, eröffnen Sie bei uns ein Tagesgeldkonto mit exklusiven Top-Konditionen! Nur bei uns erhalten Sie unglaubliche 3% Zinsen pro Jahr – risikofrei!“

In Anbetracht dessen, aus welcher Zinswelt wir kommen, ist es nicht verwunderlich, dass man sich dazu hingerissen fühlt, nachzugeben und auf eine dieser gewollt seriösen oder überschwänglich bunten Werbeanzeigen zu klicken, während man leise ein „Vielleicht macht so ein Tagesgeldkonto ja doch wieder Sinn…“ vor sich hin nuschelt.



Und absolut, Tages- und Festgeldkonten sind wieder attraktiver geworden: Gelder, die in den letzten Jahren – in denen es egal war auf welchem Konto man 0% p.a. erzielte - womöglich auf dem Girokonto einstaubten und als Rücklage fungieren, sollten nun am besten wieder wachgerüttelt und auf Tagesgeldkonten verteilt werden.

Doch für viele Anleger stellt sich angesichts der gestiegenen Opportunitätskosten für ihr Wertpapierdepot auch die Frage: Lohnt es sich die Wertpapiere zu verkaufen und stattdessen das Vermögen auf Konten zu lagern? Schließlich ist es dann (zumindest auf Tagesgeldkonten) liquider verfügbar und unterliegt keinen Schwankungen mehr.

Im Folgenden 5 Aspekte, warum Sie dies nicht leichtfertig entscheiden sollten:

1. Kurzfristige Angebote zur Neukundenakquise

Mit den gestiegenen Zinsen hat auch der Kampf um Neukunden seitens der Banken begonnen. Teilweise wöchentlich übertrafen sich die großen Akteure mit neuen, immer besseren Angeboten. Doch Vorsicht: Diese Angebote gelten in der Regel ausschließlich für Neukunden und dann auch nur für einen überschaubaren Zeitraum. Informieren Sie sich also auch darüber, zu welchen Konditionen danach gespart wird.

2. Risiko als Chance in Form von Prämien zu profitieren

Ja, Aktien unterliegen mehr bzw. größeren Risiken als Geldeinlagen, was sich zum Beispiel in der Volatilität niederschlägt. Gleichzeitig gehen sie auch weiterhin mit größeren Renditechancen einher und die Renditeerwartungen können sich infolge von Zinserhöhungen auch zusätzlich verbessern.

Das heißt durch eine Desinvestition nehmen Sie sich selbst auch die Chance von Kurssteigerungen und Ausschüttungen zu profitieren und die mögliche, positive Entwicklung von innovativen Märkten nur aus den Nachrichten miterleben zu können.

3. Langfristige Strategie im Blick behalten

Im Idealfall haben Sie Ihre Strategische Asset Allocation auf Basis Ihrer persönlichen Ziele, Lebens- und Finanzplanung abgeleitet und diese noch mit taktischen Bandbreiten versehen.

Eine Umschichtung aus dem Wertpapierdepot in Geldeinlagen würde einen deutlichen Wechsel der Vermögenscharakteristiken nach sich ziehen und in der Mehrheit zu einer defensiveren Ausrichtung der Strategie führen. Fragen Sie sich also bitte, ob die neue Vermögensstruktur zu Ihrer Zielstruktur passt und ob Sie Ihre finanziellen Ziele auch bei einer zwar sichereren, aber gleichzeitig auch niedrigeren erwarteten Rendite erreichen können.

4. Timing-Risiko und Transaktionsgebühren nicht unterschätzen

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um die Wertpapiere zu verkaufen und das Geld umzuschlüsseln? Und wann sollte man wiederum reinvestieren, um wieder an Marktentwicklungen partizipieren zu können?

Mit jeder Transaktion gehen Timing-Risiken einher, die nicht zu unterschätzen sind. Speziell bei besonders volatilen Anlagen kann der richtige Kauf- und Verkaufszeitpunkt über nicht zu wenig Geldeinheiten entscheiden. Dazu kommen auch teilweise Transaktionskosten, die im Verhältnis zum Vermögen und dem erwarteten Vorteil betrachtet werden müssen.

5. Einlagensicherung bei großem Vermögen

Ein wichtiger Punkt speziell bei großem Vermögen: In Deutschland unterliegt das Vermögen von bis zu 100.000 EUR pro Bank der gesetzlichen Einlagensicherung. Personen mit besonders großem Vermögen wäre es also zu raten mehrere/viele Konten zu eröffnen, was einen großen Rattenschwanz an Verwaltung und mangelnder Übersichtlichkeit nach sich zieht. Wertpapiere im Depot gehören dagegen zum Sondervermögen.




Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Entscheidung ob Tages- und Festgeldkonto vs. Wertpapierdepot vielseitiger ist, als es auf den ersten Blick wirkt, während einem grüne Prozentzeichen auf dem Bildschirm entgegenleuchten. Die Entscheidung muss sorgfältig vor dem Hinblick der eigenen Finanz- und Lebensplanung evaluiert und getroffen werden.

Gleichzeitig lässt es sich nicht von der Hand weisen, dass speziell für defensive Strategien die Opportunitätskosten deutlich gestiegen sind. Hier gilt es aber auch mit Alternativen am Geldmarkt zu vergleichen (näheres dazu finden Sie hier).


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