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Sell in May – but come back in September! Eine alte Börsenweisheit mal anders gedacht

Aktualisiert: 27. Mai

An dieser alten Börsenweisheit haben schon zahlreiche Studien ihre Zweifel ausgedrückt und ohnehin ist Market Timing eher Glück als nachhaltiges Können. Passend zum Medienecho dieser Börsenregel stehen aktuell viele Märkte über oder an den Allzeithochs. Anleger könnten sich sich zurecht fragen, ob es jetzt sinnvoll ist einige Gewinne der letzten Monate zu realisieren.

Eine unterschätzte Alternative zum Verkauf der Position ist eine Absicherung. Auf diese möchte ich heute näher eingehen:


Die Vollkasko Versicherung fürs Depot ist… aktuell günstiger als man denkt!


Das Konzept einer Versicherung und die Notwendigkeit einer solchen ist aus dem privaten Leben geläufig. Ob die Kaskoversicherung für das Auto oder die Krankenversicherung, es gibt kaum jemanden der mit Versicherungen noch keinen Kontakt hatte. Manche davon sind “nice to have”, andere wiederum können als zwingend notwendig erachtet werden.


Doch wie sieht es mit einer Versicherung gegen fallende Kurse im Depot aus? Die Erfahrung mit vielen Anlegern zeigt, kaum jemand sichert sein Depot in ruhigen Börsenphasen gegen fallende Kurse ab. Dabei ist es zurzeit relativ günstig.


Bevor wir in die Tiefen der Depotabsicherung eintauchen, eine kurze Einführung:


Wie funktionieren Versicherungen?


Beginnen wir mit der klassischen Kaskoversicherung für das Auto: Sie möchten Ihr Auto gegen Schäden absichern und suchen sich einen geeigneten Versicherer. Dieser bietet Ihnen gerne ein Produkt an, möchte aber vorab ein paar Daten von Ihnen wissen:


Wie viel Fahrerfahrung haben Sie? Wie alt ist ihr Auto? Gibt es eine Garage? Welchen Selbstbehalt wären Sie im Schadensfall bereit zu zahlen?


Die ersten drei Fragen nutzt der Versicherer um auf Basis umfangreicher Statistiken durchschnittliche Schadensraten, Schadenshöhen und deren Einfallswahrscheinlichkeiten für Ihr Fahrzeug zu errechnen. Hierauf haben Sie als Versicherungsnehmer keinen Einfluss. Die letzte Frage ist jedoch für Ihren Tarif ebenso entscheidend, wie viel wären Sie im Schadensfall bereits selbst zu übernehmen?


Aus diesen drei Fragen errechnet der Versicherer einen Beitrag. Je höher das Risiko, desto höher Ihr Beitrag. Wenn Sie bereit sind einen höheren Selbstbehalt zu zahlen, dann kommt Ihnen der Versicherer mit dem Beitrag entgegen.


Und am Kapitalmarkt?


Sehr ähnlich funktioniert es am Kapitalmarkt. Hier nennen sich die „Versicherungen“ Optionsscheine. Diese werden u.a. von Anlegern verwendet, um sich vor fallenden Kursen zu schützen. Eine sog. „Long Put-Option“ auf eine Aktie schützt ab einem vereinbarten Niveau vor fallenden Kursen, da sie im Wert steigt, je mehr die Aktie im Wert fällt. Sie erwerben das Recht einen Wert zu einem vorbestimmten Preis an den „Versicherer“ zu verkaufen.


Die Kosten einer solchen Absicherung berechnen sich ähnlich wie im obigen KFZ-Beispiel: Die Schadenswahrscheinlichkeit wird auch hier statistisch ermittelt, und maßgeblich ist hier die Schwankungsintensität (Volatilität) des Wertpapiers. Je höher die Volatilität, desto teurer die Absicherung (steigende Wahrscheinlichkeit des Unfalls!). Auch hier können Sie jedoch mit einem höheren Selbstbehalt die Kosten senken.


Schauen wir in die Praxis:


Sie halten im Depot aktuell den DAX mit einem Gegenwert von 1.000.000 Euro und überlegen sich Gewinne „mitzunehmen“, wollen aber zukünftige Wertsteigerungen auch nicht verpassen. Alternativ zu der Veräußerung kann eine Absicherung der Position überlegenswert sein. Als erfahrener Anleger wissen Sie, dass zwischenzeitliche Verluste von 10% bei Aktien durchaus möglich sind. Darüber hinaus würden Sie aber gerne die Verluste beschränken. Eine dauerhafte Absicherung von 100% des Depots wäre auf Dauer so teuer, dass kaum oder keine Renditeüberschüsse möglich sind. Während Absicherungen also Sinn ergeben können, ist es wichtig, einen ausreichenden Selbstbehalt zu gewähren.


Der erste maßgebliche Treiber für die Kosten einer solchen Absicherung ist die aktuelle und erwartete Volatilität. In unserem Fall ist die Volatilität des DAX entscheidend, und dessen erwartete Volatilität welche in Form eines Index, dem VDAX-New, gemessen wird. Dieser liegt aktuell nahe historischen Tiefs bei circa 13 Punkten. Für eine Absicherung beste Voraussetzungen.

In unserem Fall wollen Sie Ihr Investment von einem Verlust größer 10% schützen. Bei einem DAX-Stand von 18.700, möchten Sie ab 16.850 Punkten abgesichert sein.


Ein Optionsschein mit Fälligkeit in 4 Monaten (come back in September) und einem Absicherungsniveau von 16.850 kostet aktuell circa 1,15 Euro. Ein Optionsschein auf den DAX hat typischerweise ein Bezugsverhältnis von 0,01 – Sie benötigen also 100 Optionsscheine pro Anteil des DAX.  

Exemplarischer Long Put Optionsschein auf den DAX mit den aufgezeigten Kennzahlen. (Stand: 17.05.2024)


Möchten Sie einen Depotwert von 1.00.0000 absichern, besitzen Sie circa 54,3 DAX-Anteile, und benötigen dementsprechend 5430 Optionsscheine. Bei einem Preis von 1,15 zahlen Sie für die Absicherung heute 6250 Euro. Gemessen am Depotwert sind das 0,6%.


Was passiert im September?


Wenn der „Schadensfall“ nicht eintritt und der DAX im September oberhalb Ihrer Schmerzensgrenze von 16.830 Punkten steht, verfällt Ihre Option wertlos und Sie haben die Prämie bezahlt, ohne eine Gegenleistung zu erhalten. Die Absicherung hat Sie in diesem Fall 0,6% Rendite gekostet.  Fällt der DAX jedoch unter die Marke von 16830 schützt Ihre Position Sie vor weiteren Verlusten.

 

Wie geht es weiter?


So wie in diesem Beispiel der DAX abgesichert wurde, können auch einzelne Wertpapiere oder ganze Depots sowohl taktisch (kurzfristige Marktmeinung) als auch strategisch (langfristige Absicherung gegen Extremrisiken) vor Verlusten geschützt werden. Hier kommen dann schnell komplexere Fragestellungen und Absicherungskonstellationen zustande, die den Rahmen an dieser Stelle sprengen würden.

Die aktuell niedrige Volatilität in Kombination mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand ermöglichen eine sehr kosteneffiziente Umsetzung einer Depotversicherung. Ob eine solche Absicherung in Ihrem Fall Sinn macht, oder wann davon abzuraten ist, ist nur auf Basis individueller Gespräche zu ermitteln.


Nutzen Sie Optionen zur strategischen oder taktischen Absicherung im Depot?


 

Ihr finanzieller Strategieberater  Die eigene finanzielle Situation zu erfassen kann komplex sein und viel Zeit in Anspruch nehmen. Auch die Interpretation der Ergebnisse und die darauf aufbauende Herleitung einer Handlungsstrategie ist herausfordernd. Als erfahrene und objektive Experten stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Zum Kontaktformular


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Rechtliche Hinweise 


Kapitalanlagen beinhalten Risiken. Der angelegte Kapitalwert sowie die daraus erzielte Kapitalrendite unterliegen Schwankungen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit stellt keine Garantie für zukünftige Entwicklungen dar. Es gibt keine Garantie dafür, dass Strategien erfolgreich sind.


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