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Der Preis der Sicherheit ist jüngst wieder gestiegen

By Alle Publikationen, Inflationscheck No Comments

Das Coronavirus sorgt für Unsicherheit. Sichere Staatsanleihen konnten davon profitieren. Im Umkehrschluss sind deren Renditen gefallen. Verwahrgebühren auf Kontoguthaben bleiben damit auf absehbare Zeit ein Thema. Da die Inflation konstant geblieben ist liegt der Realzins für fünfjährige Bundesanleihen aktuell bei minus 2,5 Prozent pro Jahr.

Inflationsscheck zeigt weiterhin finanzielle Repression

Nach Lesart des statistischen Bundesamts sind die Konsumentenpreise in Deutschland im Februar 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,7 Prozent angestiegen. Gleichzeitig sind die Renditen von deutschen Bundesanleihen (sicherer Hafen) gefallen und die Renditen von Hochzinsanleihen (Ausfallrisiko steigt bei schwächerer Konjunktur) gestiegen.

An der strategischen Perspektive hat sich nichts geändert: Die Renditen von sicheren Vermögensanlagen rentierten unterhalb der Inflationsrate und Vermögensklassen mit der Chance auf einen langfristigen Erhalt der Kaufkraft sind, insbesondere bei kurzfristigen Betrachtungszeiträumen, mit erheblichen Preisschwankungen verbunden.

Die Qualitätsansprüche an die Herleitung und Umsetzung der Anlagestrategie werden damit in der Zukunft massiv an Bedeutung gewinnen.

Inflationserwartungen sind gefallen

Die marktbasierten langfristigen Inflationserwartungen für fünf Jahre in fünf Jahren für die USA und die Eurozone sind jüngst gefallen. Sie betragen aktuell 1,1 Prozent. Dieser Rückgang dürfte der allgemeinen Verunsicherung geschuldet sein. Der Markt interpretiert die Folgen des Coronavirus also eher disinflationär. Dies passt auch zu der positiven Kursentwicklung der Staatsanleihen.

Die gefallenen Inflationserwartungen dürften eine expansive Geldpolitik begünstigen. Jegliche geldpolitische Maßnahme wird sicher auch auf die gefallenen Inflationserwartungen verweisen. Aus der Perspektive der Kapitalmärkte ist dies kurzfristig positiv. Langfristig gehen damit die allseits bekannten Probleme zu niedriger Zinsen einher.

Schäden und Gegenmaßnahmen nicht seriös abzuschätzen

Allgemein scheint es mittlerweile offensichtlich zu sein, dass das Coronavirus einen großen wirtschaftlichen Schaden verursachen wird. Allerdings sind weder die genaue Höhe, noch die Folgewirkungen oder die zeitliche Dauer der konjunkturellen Belastung seriös abzuschätzen. Genauso unsicher sind die Geld- und fiskalpolitischen Gegenmaßnahmen von Seiten der Notenbanken und Staaten zu antizipieren. Die Marktteilnehmer erwarten, dass etwas passiert, aber was genau, ist nicht absehbar.

„Sichere“ Häfen in der kurzfristigen Betrachtung

In der sehr kurzfristigen und isolierten Betrachtung der Stressphase konnten die, teils ungeliebten Staatsanleihen, mal wieder überzeugen. Während der Aktienmarkt (rot) 12 Prozent verlor und Gold (blau) um 5 Prozent nachgab, konnten die US-Staatsanleihen (türkis) mit einem Kursgewinn punkten. Deutsche Bundesanleihen gleicher Laufzeit sind rund 2 Prozent gestiegen.

Auch in dieser Stressphase an den Aktienmärkten wurde deutlich, dass ein diversifiziertes Portfolio Vorteile bietet. Hierbei sollte nicht nur in unterschiedliche Vermögensklassen investiert werden. Auch die Investitionsstile sollten sich unterscheiden.

Vermögensstrukturierung – Ein Ausgangspunkt für Überlegungen

Niemand kennt die Zukunft. Ein neutraler Ausgangspunkt für weitere (!) Überlegungen ist daher die gleichgewichtete Verteilung auf die beiden großen Vermögensklassen Geld- und Sachwerte. Innerhalb dieser Töpfe ist dann wiederum eine angemessene Risikostreuung vorzunehmen.

Die aktuellen Bewegungen an den Kapitalmärkten sollten nicht zu hektischem handeln führen. Typischerweise ist das Fehlerpotential in diesen Marktphasen recht hoch. Dennoch sind die aktuellen Rückgänge ein guter Ansatzpunkt, um sich mit der strategischen Ausrichtung des Depots und der vorhandenen Risikostreuung auseinanderzusetzen.

Gerne stehen wir Ihnen hierzu als Ansprechpartner zur Verfügung.

Kaufpanik im Supermarkt, Verkaufspanik am Aktienmarkt

By Alle Publikationen No Comments

In einer Welt ohne Zinsen bestehen positive Renditen ausschließlich aus Risikoprämien. Ohne Risiken liegt die Ertragserwartung bei null. Der Schmerz (Kursverlust) zum Zeitpunkt ist also der Preis für die Rendite über den Zeitraum. Die aktuell starken Kursrückgänge sind daher ein guter Zeitpunkt, um sich mit der eigenen Anlagestrategie zu beschäftigen. Nicht um prozyklisch zu reagieren, sondern die langfristige Ausrichtung zu überdenken.

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Kommentar Faktor-Portfolios – Januar 2020

By Alle Publikationen No Comments

Marktbewegung

Im Januar schien sich die positive Aktienmarktentwicklung des Vorjahres zunächst fortzuschreiben – teilweise wurden neue Allzeit-Höchststände erreicht. Unverändert gibt es zwei wesentliche Treiber für die Kursanstiege. Zum einen die Erleichterung im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt sowie die Hoffnung, dass die Notenbanken in Krisensituationen weiter expansiv Geld in die Märkte pumpen. Sorgen vor einer unkontrollierten Ausbreitung des Coronavirus brachten die Märkte dann kräftig unter Druck, da mit negativen Folgen für die Weltwirtschaft gerechnet wurde, was insbesondere auch die Ölpreise (ca. -15%) belastete. Der Ausbruch des Corona-Virus beeinflusste insbesondere den chinesischen Aktienmarkt – der Hang Seng verlor im Januar ca. 7,75%. Die europäischen Märkte entwickelten sich mit -2 bis -3% ebenfalls negativ, während die US-Märkte den abgelaufenen Monat noch positiv beenden konnten. Die Rentenmärkte profitierten und auch Gold konnte mit einem Anstieg von 4,5% punkten. Trotz großer Unsicherheit bezüglich Ausbreitung und Gefahren des Virus ist bisher noch keine ganz große Panik am Markt aufgekommen. Vielmehr wurden die Kursrückgänge als Chance für einen Einstieg in den Aktienmarkt gesehen.

Portfoliokommentar

Faktor Portfolio

Die Verteilung des Vermögens der Strategie „Faktor Portfolio“ orientiert sich an der angestrebten strategischen Gewichtung von 65 Prozent Aktien zu 35 Prozent Geldmarkt bzw. festverzinslichen Wertpapieren. Das Strategiedepot „Faktor Portfolio“ erzielte im Verlauf des vergangenen Monats eine Rendite in Höhe von 0,56 Prozent. Im vergangenen Monat wurden keine Transaktionen durchgeführt.

Faktor Depot

Die Verteilung des Vermögens der Strategie „Faktor Depot“ orientiert sich an der angestrebten strategischen Gewichtung von 40 Prozent Aktien zu 60 Prozent Geldmarkt bzw. festverzinslichen Wertpapieren. Das Strategiedepot „Faktor Depot“ erzielte im Verlauf des vergangenen Monats eine Rendite in Höhe von 0,72 Prozent. Im vergangenen Monat wurden keine Transaktionen durchgeführt.

Ein aktuelles Factsheet der Strategie inkl. vergangener Wertentwicklung und aktueller Allokation finden Sie hier:

Performanceübersicht

Faktor Portfolio

Seit Jahresbeginn liegt die Wertentwicklung zum Ende des letzen Monats bei 0,56%

Faktor Depot

Seit Jahresbeginn liegt die Wertentwicklung zum Ende des letzen Monats bei 0,72%

Beschreibung der enthaltenen Finanzinstrumente

ETF auf MSCI World Minimum Volatility

Der Minimum Volatility ETF investiert in weniger zyklische Sektoren, die Geschäftsmodelle der enthaltenen Unternehmen unterliegen typischerweise geringeren Schwankungen. Insbesondere im Vergleich zum globalen Aktienmarkt (MSCI Word) sollen so die erwarteten Kursschwankungen reduziert werden.

ETF auf MSCI World Quality Factor

Der Fonds strebt die Nachbildung der Wertentwicklung eines Index an, der aus einer Untermenge an MSCI World-Aktien besteht, die starke und stabile Gewinne aufweisen. Im Vergleich zum globalen Aktienmarkt (MSCI Word) sollen so die erwarteten Kursschwankungen reduziert werden.

ETF auf MSCI World (Euro hedged)

Der ETF investiert in den breiten globalen Aktienmarkt (MSCI World Index). Der ETF investiert im Schwerpunkt in entwickelte Länder und umfasst eine hohe Anzahl von Aktien. Um Währungsrisiken vorzubeugen werden Fremdwährungen gegenüber dem Euro gegen Schwankungen auf monatlicher Basis abgesichert.

Dimensional Emerging Market Value Fund

Der Fonds hat das Ziel, die Aktienmarktrendite möglichst effizient abzubilden. Zu diesem Zweck wird eine sehr hohe Anzahl von Aktien in den Fonds gekauft. Der Fokus des Fonds liegt auf Unternehmen aus Schwellenländern. Dabei verfolgt er eine „Value“-Strategie. Dies bedeutet, dass er in Aktien von Unternehmen investiert, deren Aktienkurs zum Zeitpunkt des Kaufs im Vergleich zum bilanziellen Wert des Unternehmens niedrig ist.

iShares $ Treasury Bond 7-10yr

Der ETF bildet US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit zwischen 7 und 10 Jahren ab. Die Staatsanleihen mittelfristiger Laufzeit werden im US-Dollar erworben, wodurch das Portfolio zusätzlich diversifiziert wird.

Xtrackers II Global Inflation-Linked Bond UCITS ETF

Das Anlageziel besteht darin, die Wertentwicklung des Bloomberg Barclays World Government Inflation-Linked Bond Index (der Index) abzubilden. Der ETF soll die Wertentwicklung inflationsgebundener handelbarer Schuldtitel (Anleihen) abbilden, die von Regierungen bestimmter Industrieländer begeben werden.

Metzler Euro Liquidity

Es handelt sich um ein Geldmarkt-Instrument, der Fonds legt seine Anlage in Bankguthaben und Geldmarktinstrumente erstklassiger in- und ausländischer Emittenten an.

Bankguthaben EUR

Hierbei handelt es sich um reale Liquidität, die auf dem Verrechnungskonto geführt wird. Der Sinn einer Liquiditätsreserve liegt zum einen in der Risikodiversifikation, ein anderer Zweck der Liquiditätsreserve ist die taktische Komponente der Anlageklassensteuerung.

YPOS Inflationscheck zeigt finanzielle Repression – Ausweg Risikoprämien?

By Alle Publikationen, Inflationscheck No Comments

Die Inflationsrate in Deutschland ist im Januar auf 1,7 Prozent gestiegen. Aufgrund der beschlossenen Maßnahmen zum Klimaschutz erwartet die Bundesbank ab 2021 steigende Inflationsraten für Verbraucher. Im Gegensatz dazu macht der Blick auf die Inflationserwartungen für die Eurozone wenig Hoffnung auf steigende Zinsen.

Vermögensklassen im Inflationscheck

Die finanzielle Repression mag zwar als Thema aus den Schlagzeilen und Bestsellerlisten verschwunden sein, aber solange Zinsen und Renditen unterhalb der offiziellen Inflationsrate liegen ist sie in der Realität präsenter denn je.

Die anhaltende Niedrigzinsphase belastet nicht nur private und betriebliche Anleger. Auch die kapitalgedeckte Altersvorsorge ist stark betroffen. Insbesondere in Deutschland ist diese typischerweise sehr zinsbasiert aufgebaut. Die Suche nach Alternativen für die fehlenden Zinsen geht also auf jeder Ebene weiter.

Vergessen Sie Zinsen, denken Sie in Risikoprämien

An dieser Stelle sei daran erinnert, dass sich Renditen aus Risikoprämien zusammensetzen. Ohne (bzw. negativen) „sicheren“ Zins besteht die Renditeerwartung vollständig aus Prämien für eingegangene Risiken. Letzteres sollten vom Anleger verstanden werden. Die Grafik zeigt einen schematischen Aufbau.

Innerhalb der Vermögensklassen sind weitere Faktoren maßgeblich. Zudem spielt Illiquidität eine Rolle. Die Verteilung des Kapitals auf die verfügbaren Anlageklassen sollte daher die relative und absolute Attraktivität der Risikoprämien der verschiedenen Vermögensklassen berücksichtigen.

Die Investition in eine kapitalbildende Versicherung oder der Kauf eines Fonds löst das Problem nur oberflächlich, da die Entscheidung auf eine andere Ebene (den Produktanbieter) delegiert wird.

Inflationserwartung spricht gegen Zinswende

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist dabei vieles zu überprüfen. Zuviel Hoffnung sollten sich Anleger allerdings nicht machen. Schließlich ist die langfristige Inflationserwartung ein wichtiger Indikator für die zukünftige Geldpolitik.

Mit einem Wert von unter 1,3 Prozent ist kein Aufwärtsdruck für Zinsen zu erwarten. Wir gehen weiterhin von der Blaupause Japan (Zinsen bleiben niedrig) bei gleichzeitig höherer politischer Unsicherheit (Europa ist sehr heterogen) aus.

Was bedeutet das für Anleger?

Ich bin kein Freund von „Kaufen Sie x und Ihr Anlageproblem ist gelöst“ Antworten. Einfache Antworten sind zwar beliebt, aber spätestens in Stressphasen zeigt sich der bei der Herleitung der Anlagestrategie ersparte Zeitaufwand in schädlichem Anlegerverhalten.

Daher lautet meine Empfehlung sich an den folgenden Schritten zu orientieren:

  1. Erfassen Sie Ihren Vermögensstatus (Vermögen und Verbindlichkeiten)
  2. Erstellen Sie eine Liquiditätsplanung und Differenzieren Sie dann zwischen Rücklage und Kapitalanlage
  3. Ermitteln Sie Ihre finanzielle Risikobereitschaft für die Kapitalanlage
  4. Ermitteln Sie welche Risikotragfähigkeit Sie aufgrund der Lebensplanung (wann wird wie viel Geld benötigt?) haben
  5. Definition Sie den Anlagehorizont für die Kapitalanlage
  6. Treffen Sie Annahmen für die langfristigen Ertragserwartungen der verschiedenen Vermögensklassen
  7. Betrachten Sie, wie sich die geplante Anlagestrategie in historischen Kapitalmarktkrisen verhalten hat
  8. Beantworten Sie die wichtigsten Umsetzungsfragen:

a) Aktive Manager vs. Passive Indexfonds – Wo macht was Sinn?

b) Risikomanagement und taktische Eingriffe – Notwendigkeit vs. Gewissensberuhigung

c) Berücksichtigung steuerlicher Aspekte (Abgeltungsteuer, Investmentsteuerreform)

Die Berücksichtigung der genannten Schritte erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die am Kapitalmarkt verfügbaren Risikoprämien auch vereinnahmt werden. Zudem sorgt eine aktive Auseinandersetzung mit den verschiedenen Dimensionen der Geldanlage auch für weniger emotionalen Stress.

Gerne stehen wir Ihnen für Rückfragen zur Verfügung.

Inflationscheck zeigt finanzielle Repression – Ausweichmanöver und Problemstellungen

By Alle Publikationen, Inflationscheck, Markteinschätzung No Comments

Nach Lesart des statistischen Bundesamts sind die Konsumentenpreise in Deutschland im Dezember 2019 gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,5 Prozent angestiegen. Aus der Anlegerperspektive betrachtet befinden wir uns weiterhin in der finanziellen Repression, da Zinsen und Renditen unterhalb der offiziellen Inflationsrate liegen. Fehlerpotential und Beratungsbedarf bleiben auf einem hohen Niveau.

Vermögensklassen im Inflationscheck

Bei einer Rendite von -0,55 Prozent für fünfjährige deutsche Bundesanleihen ergibt sich ein rechnerischer Kaufkraftverlust von 2 Prozent. Einzig Hochzinsanleihen weisen auf Basis der aktuellen Einkaufsrenditen eine positive Rendite nach Steuern und Inflation aus. Hierbei sind jedoch die entsprechenden Laufzeit- und erhöhten Kreditrisiken zu berücksichtigen. Mögliche starke Preisbewegungen bei veränderter Liquiditäts- oder Konjunkturlage sind hier nicht zu unterschätzen.

Ausweichmanöver und Problemstellungen

Ausweichmanöver institutioneller Anleger in Richtung nicht börsennotierter Schuldinstrumente (private Debt) sind daher nachvollziehbar, aber sicherlich auch mit Fallstricken behaftet. Gleiches gilt für Private Equity und Infrastrukturinvestments. Fraglich ist hier, ob Illiquidität, wie in der Vergangenheit, noch eine positive Prämie darstellt oder bereits ein Aufschlag anfällt.

Bei privaten Anlegern ist der Beratungsbedarf noch größer. Hier zeigen sich zwei große Probleme:

  1. Es wurde noch gar nicht erkannt, dass die Renditeerwartung der aktuellen Anlagestrategie nicht ausreicht, um die finanziellen Ziele zu erreichen. Damit verändert sich beispielsweise der mögliche Lebensstandard im Alter, der vorgezogene Ruhestand verschiebt sich nach hinten oder der gewünschte Vermögenserhalt zu Gunsten der Kinder wird nicht erreicht.
  2. Die Suche nach Anlageprodukten die einen gedanklichen „Zinsersatz“ darstellen sind in der Realität Prämien für eingegangen Risiken. Beispielsweise sind dies Bonitäts, Laufzeit und Illiquiditätsprämien. Auch Optionserträge sind keine klassischen Zinsen und haben besondere Charakteristika, die es zu berücksichtigen gilt. Allgemein formuliert sollten die „neuen“ Risiken vor der Investition in die Anlagestrategie eingeordnet werden. Zudem stellt sich die Frage, ob die absolute Vergütung der eingegangen Risiken attraktiv ist.

Im Ergebnis wird deutlich, dass ein fehlender Finanzplan und eine fehlende Anlagestrategie nachteilig sind.

Inflation- und Erwartungen in der Eurozone

In der Eurozone liegt die Inflation bei 1,3 Prozent. Die Kerninflationsrate liegt bei 1,0 Prozent. Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) ist damit deutlich unterschritten.

Auch die marktbasierten langfristigen Inflationserwartungen für fünf Jahre in fünf Jahren liegen mit 1,32 Prozent deutlich unter den Vorstellungen der Notenbank.

Eine nachhaltige Zinswende erscheint in diesem Umfeld unwahrscheinlich. Steigende Zinsen aufgrund von steigender Inflation würden dem Anleger auch nicht viel bringen, da immer der Realzins (Zins abzgl. Inflation) entscheidend ist. In diesem Zusammenhang könnten inflationsgebundene Anleihe eine prüfenswerte Ergänzung für das Depot sein.

Auch die Verstärkung fiskalpolitischer Maßnahmen spricht eher gegen eine Zinswende. Schließlich lassen sich steigende Schulden einfacher finanzieren, wenn die Zinsen niedrig ist.

Der globale Sparüberschuss, Digitalisierung und die Demographie wirken ebenfalls zinsdämpfend.

Was bedeutet das für Anleger?

Die finanzielle Repression bleibt uns auf absehbare Zeit erhalten. Eine Professionalisierung der finanziellen Entscheidungen und deren Umsetzung ist daher sinnvoll.

Wie sollte man die starken Aktiengewinne 2019 einordnen?

By Alle Publikationen, Markteinschätzung No Comments

Das Jahr 2019 war ein sehr erfreuliches Jahr. Am Beispiel des US-Aktienmarktes schlagen wir eine Brücke vom Aktienmarkt zur individuellen Einordung auf Anlegerebene.

Es war ein großartiges Jahr für Aktien

Aus Vereinfachungsgründen betrachten wir nur einen Aktienindex (US-Leitindex S&P500). Unterstellt man eine Reinvestition der Dividenden ergibt sich im laufenden Jahr ein Gewinn von 30 Prozent (Schlusskurse 19.12.2019).

Das ist ja schon mal gut. Aber es geht noch besser..

Schmück du den Baum Schatz, ich muss ordern

Wer am Weihnachtstag 2018 investiert hat, der konnte sogar einen Gewinn von knapp 40 Prozent erzielen.

Entwicklung über zwei Jahre

Betrachtet man hingegen die Entwicklung in den vergangenen 24 Monaten, dann stellt man fest, dass ein Großteil der Kursgewinne in 2019 „nur“ die Aufholung der Verluste aus 2018 war. Das kleine „nur“ ist allerdings das größte Problem aller Anleger. Dies gilt nicht nur für private Anleger, sondern auch für professionelle Marktteilnehmer (Fondsmanager und Vermögensverwalter).

Die Kapitalmarktrenditen zu verdienen ist eben nicht so einfach, wie es im Nachhinein aussieht… Schließlich hätte der Markt ja auch beim Stand von minus 20 Prozent weiter fallen können. Wer weiß das schon? Denken Sie mal an die Schlagzeilen zu Beginn des Jahres 2019 zurück.

Zudem ist festzuhalten, dass ein Verlust von 20 Prozent einen Gewinn von 25 Prozent benötigt, um wieder beim Ausgangspunkt anzukommen. Ein Verlust von 50 Prozent benötigt einen Gewinn von 100 Prozent. Sehr starke Verluste „töten“ den Zinseszinseffekt (Compounding).

Schließlich dauert es bei sehr starken Verlusten häufig viele Jahre, um wieder bei dem Ausgangspunkt anzukommen. Noch dazu ist es nicht garantiert. Allerdings sprechen historische Muster und auch wirtschaftliche Logik dafür. Und es gilt für den Markt, aber nicht für prozyklisch handelnde Anleger.

Lohnen sich mehr als 65 Prozent Aktienquote?

Auf der Gesamtvermögensebene lohnt es sich daher nicht, Aktienquoten jenseits der 65 Prozent als strategische Aktienquote zu definieren. Eine starke Abweichung (taktisch) nach oben empfiehlt sich tendenziell nur nach starken Rückgängen am Aktienmarkt.

Doch ohne schriftlichen Investmentplan mit klaren Regeln schafft es erfahrungsgemäß kein Anleger, dann zu kaufen, wenn die Kurse fallen und die Schlagzeilen den Weltuntergang verkünden.

Diesen Investmentplan zu entwickeln, handwerklich gut umzusetzen und dessen konsequente Einhaltung dauerhaft (!) zu sichern ist übrigens der große Mehrwert einer echten Finanzberatung. Der Autor bietet diese Dienstleistung an und ist an diesem Punkt nicht neutral. 🙂

Welche Perspektive sollten Anleger einnehmen?

Anleger sollten zunächst darauf achten, dass die Aktienquote zu ihrer persönlichen Liquiditätsplanung und sonstigen Zielen passt. Wer weder einen Berater bezahlen, noch selbst die Zeit aufwenden möchte, um eine ganzheitliche Anlagestrategie zu entwickeln, der sollte zumindest darauf achten, dass die sich die Aktienquote innerhalb der Bandbreite der finanziellen Risikobereitschaft befindet.

Da jeder Mensch Risiken anders definiert, gilt es, diesen Begriff mit Leben zu füllen. Dies kann anhand eines wissenschaftlich fundierten Fragebogens erfolgen. Anhand von 25 Fragen ist die Quote und die Bandbreite wachstumsorientierter Vermögensklassen ein wichtiges Teilergebnis.

Hier liegen die finanzielle Risikobereitschaft (59 Prozent), die im Rahmen der Herleitung der Anlagestrategie ermittelte strategische Aktienquote (65 Prozent) und die und die im Depot umgesetzte Aktienquote (60 Prozent) sehr eng beisammen. So sollte es sein.

Der kostenfreie Zugang zu dem Fragebogen kann bei uns angefordert werden.

Im nächsten Schritt ist zu prüfen, ob das eigene Depotergebnis zu der Entwicklung an den Kapitalmärkten passt. Der Zeitraum sollte mindestens drei Jahre betragen.

Im vorliegenden Fall ist ein globaler Aktienindexfonds der Vergleichsmaßstab. Dieser hat ein Plus von 48 Prozent erzieht. Die liquiden Vermögenswerte im Depot haben ein Plus von 32 Prozent erzielt.

Diese 32 Prozent (Depot) sind 67 Prozent von 48 Prozent (globaler Aktienmarkt). Damit hat das Depot die gewünschte Partizipation (65 Prozent) am globalen Aktienmarkt erreicht. So soll es sein.

In der Detailbetrachtung sieht man, dass sich die Aktien im Depot besser als der globale Aktienmarkt entwickelt haben. Der Mischfonds hat sich fast nicht verändert.

Bei der Aktienauswahl hatte man also Glück und war gleichzeitig schlecht diversifiziert. Schließlich waren nur US-Aktien im Depot. Das war der beste der großen Aktienmärkte. Nach vorne blickend wären Europa und Schwellenländer sinnvolle regionale Ergänzungen. Die Beimischung von Value in Sachen Anlagestil zu prüfen.

Der defensive Mischfonds hat sich sehr unterdurchschnittlich entwickelt. Er konnte nicht an der Rally am Rentenmarkt partizipieren. Hier sind Anpassungen erforderlich.

Ergebniswürdigung

Der Anleger möchte eine Aktienquote von 65 Prozent haben. Dies liegt vor. Zudem soll innerhalb der Aktienquote ein Ergebnis erzielt werden, das sich am globalen Aktienmarkt orientiert. Dieses wurde übertroffen. Insgesamt war das Ergebnis gut, aber eindeutig etwas zu einseitig vom Glück der regionalen Aktienauswahl abhängig. Zudem ist der Mischfonds zu ersetzen.

Was bedeutet das für mich?

Die Renditen in einzelnen Aktienmärkten und dem Kapitalmarkt als Ganzes sind natürlich wichtig. Bedeutender für Sie sind allerdings die Entwicklungen in Ihrem persönlichen Depot. Die Anlagestrategie sollte zur persönlichen Risikobereitschaft passen. Zudem sollten Sie in der Lage sein, die historischen Wertentwicklungen Ihres Depots erklären zu können. Damit geht Hand in Hand, dass Sie ungefähr abschätzen können, wie sich Ihr Depot verhält, wenn der Aktienmarkt in der Zukunft um „X“ Prozent fällt oder Gold um „Y“ Prozent steigt.

Kommentar Faktor-Portfolio – November 2019

By Alle Publikationen No Comments

Marktbewegung

Die weltweiten Aktienmärkte zeigten im abgelaufenen Börsenmonat weitere Aufschläge. Dabei legten die US-Märkte am stärksten zu (Bsp.: Nasdaq +4,0%; S&P 500 +3,4%) und konnten neue Allzeithochs erreichen. Die europäischen Märkte sind hingegen von ihren Hochs noch ein bisschen entfernt, konnten aber ebenso zulegen (Bsp.: Dax +2,9%; EuroStoxx 50 +2,8%). Wieder einmal waren es Hoffnungen auf eine Teillösung im verfahrenen US-Handelsstreit mit China, die die Märkte beflügelten. Die Auswirkungen des Handelsstreites zeigen sich auch mittlerweile in China, wo schwächere Wirtschaftszahlen bekanntgegeben wurden. Die Industrieproduktion sinkt und die Unternehmensgewinne schrumpfen, was das Wachstum bremst. Die Goldpreise gingen mit steigenden Aktienmärkten weiter zurück. Seit dem Jahreshoch im September hat das gelbe Edelmetall mittlerweile schon ca. 6% eingebüßt. An den Rentenmärkten waren leichte Renditesteigerungen zu verzeichnen, der USD wertete ca. 1,3% auf. Die Hoffnung auf eine Jahresendrally wird von vielen Marktteilnehmern noch nicht aufgegeben. Letztendlich wird dies von den Signalen, die vom US-Handelsstreit kommen, abhängig sein.

Portfoliokommentar

Die Verteilung des Vermögens der Strategie „Faktor Portfolio“ orientiert sich an der angestrebten strategischen Gewichtung von 65 Prozent Aktien zu 35 Prozent Geldmarkt bzw. festverzinslichen Wertpapieren. Das Strategiedepot „Faktor Portfolio“ erzielte im Verlauf des vergangenen Monats eine Rendite in Höhe von 1,48 Prozent. Im vergangenen Monat wurden keine Transaktionen durchgeführt.

Ein aktuelles Factsheet der Strategie inkl. vergangener Wertentwicklung und aktueller Allokation finden Sie hier:

Performanceübersicht

Faktor Portfolio

Seit Jahresbeginn liegt die Entwicklung zum Stand 29.11.2019 bei 13,72 %

Faktor Depot

Seit Jahresbeginn liegt die Entwicklung zum Stand 29.11.2019 bei 8,59 %

Beschreibung der enthaltenen Finanzinstrumente

ETF auf MSCI World Minimum Volatility

Der Minimum Volatility ETF investiert in weniger zyklische Sektoren, die Geschäftsmodelle der enthaltenen Unternehmen unterliegen typischerweise geringeren Schwankungen. Insbesondere im Vergleich zum globalen Aktienmarkt (MSCI Word) sollen so die erwarteten Kursschwankungen reduziert werden.

ETF auf MSCI World Quality Factor

Der Fonds strebt die Nachbildung der Wertentwicklung eines Index an, der aus einer Untermenge an MSCI World-Aktien besteht, die starke und stabile Gewinne aufweisen. Im Vergleich zum globalen Aktienmarkt (MSCI Word) sollen so die erwarteten Kursschwankungen reduziert werden.

ETF auf MSCI World (Euro hedged)

Der ETF investiert in den breiten globalen Aktienmarkt (MSCI World Index). Der ETF investiert im Schwerpunkt in entwickelte Länder und umfasst eine hohe Anzahl von Aktien. Um Währungsrisiken vorzubeugen werden Fremdwährungen gegenüber dem Euro gegen Schwankungen auf monatlicher Basis abgesichert.

Dimensional Emerging Market Value Fund

Der Fonds hat das Ziel, die Aktienmarktrendite möglichst effizient abzubilden. Zu diesem Zweck wird eine sehr hohe Anzahl von Aktien in den Fonds gekauft. Der Fokus des Fonds liegt auf Unternehmen aus Schwellenländern. Dabei verfolgt er eine „Value“-Strategie. Dies bedeutet, dass er in Aktien von Unternehmen investiert, deren Aktienkurs zum Zeitpunkt des Kaufs im Vergleich zum bilanziellen Wert des Unternehmens niedrig ist.

iShares $ Treasury Bond 7-10yr

Der ETF bildet US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit zwischen 7 und 10 Jahren ab. Die Staatsanleihen mittelfristiger Laufzeit werden im US-Dollar erworben, wodurch das Portfolio zusätzlich diversifiziert wird.

Xtrackers II Global Inflation-Linked Bond UCITS ETF

Das Anlageziel besteht darin, die Wertentwicklung des Bloomberg Barclays World Government Inflation-Linked Bond Index (der Index) abzubilden. Der ETF soll die Wertentwicklung inflationsgebundener handelbarer Schuldtitel (Anleihen) abbilden, die von Regierungen bestimmter Industrieländer begeben werden.

Metzler Euro Liquidity

Es handelt sich um ein Geldmarkt-Instrument, der Fonds legt seine Anlage in Bankguthaben und Geldmarktinstrumente erstklassiger in- und ausländischer Emittenten an.

Bankguthaben EUR

Hierbei handelt es sich um reale Liquidität, die auf dem Verrechnungskonto geführt wird. Der Sinn einer Liquiditätsreserve liegt zum einen in der Risikodiversifikation, ein anderer Zweck der Liquiditätsreserve ist die taktische Komponente der Anlageklassensteuerung.

Zeitreise und zeitlose Lektionen für Anleger

By Alle Publikationen, Markteinschätzung No Comments

Was sagt uns der Blick auf die letzten drei Jahre am Kapitalmarkt? Welche Schlussfolgerungen können Anleger heute für die aktuelle Anlagestrategie ziehen?

Das Kalenderjahr 2017

Marktentwicklung: Das Jahr 2017 verlief sehr erfreulich. Aktien und Gold zeigten erfreuliche Kursgewinne und globale Anleihen (währungsgesichert) haben ihren Wert gehalten.

Anlegerstimmung: Was soll schon schief gehen? Es kann nur weiter steigen. Diversifikation und Risikomanagement werden vollkommen überschätzt.

Das Kalenderjahr 2018

Marktentwicklung: Das Jahr 2018 verlief zumindest für einige Segmente (Aktien Industrienationen) den Großteil des Jahres recht unspektakulär. Im vierten Quartal änderte sich das Bild allerdings schlagartig. Im Ergebnis lagen nahezu alle investierbaren Vermögensklassen im Minus.

Anlegerstimmung: Diversifikation hat versagt! Wir müssen jetzt Risikomanagement betreiben.

Das Kalenderjahr 2019

Marktentwicklung: Das Jahr 2019 (Stand 3.12.2019) war bisher überaus erfreulich. Alle relevanten Vermögensklassen sind stark gestiegen. Selbst defensive Vermögenskonzepte (30 Prozent Aktien, 70 Prozent Anleihen) haben Renditen jenseits der 6 Prozent Rendite erzielt.

Anlegerstimmung: Sehr unterschiedlich. Von „alles künstlich durch die Notenbanken“ bis zu „ist doch logisch bei Nullzinsen, jetzt mehr Risiko ins Depot nehmen“ ist alles dabei. Diversifikation interessiert immer noch niemanden.

Lektionen für Anleger

  1. Die Renditen am Kapitalmarkt kann weder jemand vorhersagen, noch sind sie zuverlässig aus vergangenen Kursen herauszulesen.
  2. Schlagzeilen, Stimmung und Bestsellerlisten sind kein geeigneter Indikator für die persönliche Anlagestrategie.
  3. Der Erfolg der Anlagestrategie zeigt sich darin, ob das eingegangene Risiko adäquat durch Renditen vergütet worden ist. Die Betrachtung muss also risikogewichtet (!) vorgenommen werden.
  4. Voraussetzung für Punkt 3 ist, dass passende Vergleichsmaßstäbe für die eigene Anlagestrategie definiert werden. Bsp.: 50 Prozent Aktien Welt, 40 Prozent Anleihen Welt (währungsgesichert), 10 Prozent Gold.
  5. Die Abweichungen der tatsächlichen Entwicklung des Depots von dem in Punkt 4 definierten Vergleichsmaßstab sind quantitativ zu messen und zu qualitativ zu erklären.

Ein Beispiel für eine quantitative Auswertung sehen Sie hier:

Natürlich hat ein Privatanleger nicht diese Möglichkeiten. Aber für vieles reichen die Grundrechenarten. Bei der unter Punkt 4 beispielhaften genannten Struktur sollte der Ertrag des Portfolios dieses Jahr zwischen 10 und 20 Prozent gelegen haben. 2018 sollte das Depot einen Verlust zwischen 5 und 10 Prozent erlitten haben. Diese Bandbreiten sind die Normalerwartung für die beispielhafte strategische Struktur. Abweichungen sind zu hinterfragen.

Was heißt das für mich?

Professionalisieren Sie Ihr finanziellen Entscheidungen und die Messung der Ergebnisse. Legen Sie Quoten für die wichtigsten Vermögensklassen fest und hinterfragen Sie diese nicht laufend. Solange das grundsätzliche Marktumfeld und ihre persönliche Situation konstant bleiben, sind auch keine großen Anpassungen notwendig.

Wichtig ist allerdings, dass die Risikostreuung innerhalb der Quoten beachtet wird. Insofern sind auch Indexstrategien (ETFs) nicht passiv, da sich deren deren Charakteristika laufend ändern. Durch regulatorische und gesellschaftliche Veränderungen können weitere Anpassungen erforderlich sein. Aktuell ist hier sicher das Thema Nachhaltigkeit für jeden Anleger relevant (unabhängig von der eigenen Meinung!).

Im aktuellen Umfeld bedeutet Rebalancing eher Risiken ab, als auf zubauen. Aber auch hier gilt: Ohne strategischen Vergleichsmaßstab ist selbst das nicht möglich.

Absicherung gegen Verluste – Mehr Handwerk als Meinung

By Alle Publikationen, Markteinschätzung No Comments

Jede Form der Geldanlage, ob Konto oder Aktie, stellt ein Risiko dar. In Abhängigkeit des Risikos erhalten Anleger eine Kompensation in Form von Renditen. Aber sind alle Risiken gleich?

Was ist Risiko?

Auf der einfachsten Ebene müssen Anleger eine Gewichtung zwischen der temporären Schwankung des eingesetzten Kapitals und der Wahrscheinlichkeit einer dauernden Wertminderung vornehmen. Dies kann man jeweils mit oder ohne Inflation betrachten.

Das Kontoguthaben bei einer Bank hat (sofern keine „Strafzinsen“ bzw. Verwahrgebühren anfallen) keine sichtbaren Schwankungen. Allerdings müssen Anleger einen sicheren Verlust an Kaufkraft akzeptieren. Ein global diversifiziertes Aktienportfolio hat sehr hohe Schwankungen. Es bietet aber die Chance langfristig eine nominelle Rendite oberhalb der Inflation zu erzielen. Damit ist der Kaufkrafterhalt bzw. deren Steigerung möglich.

Eine vereinfachte Darstellung dieser Systematik der Risikoprämien zeigt die Grafik.

Selbstverständlich spielt auch der Zeitraum der Betrachtung eine wichtige Rolle. Es wird offensichtlich, dass Anleger nicht nicht anlegen können. Auch Kontoguthaben, das über die Rücklage hinausgeht, ist Ausdruck einer Zukunftserwartung.

Was heißt das in der Praxis?

Je nach gewünschter Funktion in der Vermögensstruktur gibt es also unterschiedliche Vermögensklassen und Instrumente. Im andauernden Anlagenotstand scheinen die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Vermögensklassen und deren Funktion manchmal zu verwischen…

Nehmen wir das Thema Absicherung von Aktien mittels Derivaten. Hier scheint manchmal nicht klar, was und warum eigentlich genau „abgesichert“ werden soll. Die normale Kursentwicklung von Aktien abzusichern erscheint nicht wirklich zielführend, denn dann bleibt von der Risikoprämie der Aktien wenig bis nichts übrig.

Je nach Marktmeinung und Zielsetzung kann dieses Vorgehen (permanente oder fallweise Absicherung) für Teilsegmente des Vermögens sinnvoll sein. Es weist dann aber nicht die Charakteristika eines Aktieninvestments auf. Dies ist insbesondere bei steigenden Kursen relevant. Strategien sind also nicht per se gut oder schlecht, sondern im Kontext des gewünschten Anlageziels zu werten.

Oft gewinnt man auch den Eindruck, dass der Wunsch nach „Absicherung“ sehr stark von den aktuell negativen Kursentwicklungen und den (dann natürlich passenden) Schlagzeilen abhängt.

Wie geht es besser?

Unterstellen wir einen Anleger, der eine strategische Aktienquote (Target) von 65 Prozent definiert hat. Durch die gestiegenen Kurse ist die aktuelle Aktienquote nun auf 85 Prozent (Current) gestiegen.

Unterstellen wir, dass das Depot bereits einen sehr hohen Diversifikationsgrad (=Risikostreuung) aufweist, dann bleiben am Ende nur zwei Möglichkeiten:

  1. Aktienpositionen verkaufen
  2. Eine Absicherung vornehmen

An dieser Stelle sei angemerkt, dass kaum ein Depot diesen sehr hohen Grad an Risikostreuung aufweist. Hier wird leider immer noch sehr viel Potential von Anlegern (insbesondere privaten) verschenkt.

Gleichzeitig besteht aktuell durchaus die Möglichkeit, dass der Grad der Risikostreuung im eigenen Depot massiv überschätzt wird.

Wie könnten Überlegungen zur Absicherung aussehen?

In der ursprünglichen Herleitung der Anlagestrategie (hier nicht weiter beschrieben) wurde ein beispielhafter Verlust in Höhe von 15.000 Euro als noch akzeptabel definiert. Die Gründe dafür können vielfältig sein.

Gesucht ist nun eine Absicherung, die den maximalen Verlust (trotz der gestiegenen Aktienquote) zu einem gewissen Zeitpunkt (hier Juni 2020) ungefähr auf 15.000 Euro begrenzt.

Aus Vereinfachungsgründen wurde hier unterstellt, dass sich die anderen Vermögensklassen (hier 15 Prozent des Depots) bei einem Rückgang nicht bewegen. In der Realität sieht das natürlich aus. Zudem wurde nur eine Absicherung auf den US-Markt unterstellt.

Das Ergebnis zeigt eine Absicherung, die ungefähr dem gewünschten Verlust in Euro entspricht. Diese ist relativ günstig (0,96 Prozent für 6,5 Monate), weil sie so weit aus dem Geld liegt und damit dem natürlichen Charakter von Aktien (zweistellige Schwankungen) Rechnung trägt.

Wir erinnern uns: Es geht hier nicht darum meinungsgetriebenes Market-Timing zu betreiben, sondern das in Euro gemessene Verlustpotenzial konstant zu halten.

Was heißt das für Anleger?

Setzen Sie die richtigen Prioritäten. Zuerst kommt die Herleitung der strategischen Vermögensstruktur, dann eine diversifizierte und effiziente Umsetzung und erst danach sind Überlegungen zur Absicherung anzustellen. Sofern Sie permanent über Ihre Aktienquote nachdenken oder sich durch Schlagzeilen verunsichern lassen, dann passt die Aktienquote einfach nicht zu Ihnen.

Offene Immobilienfonds – Aktuelle Überlegungen

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Negative Renditen bei sicheren Anleihen und Strafzinsen auf dem Konto. Was liegt da näher als eine Kapitalanlage in den Sachwert Immobilie, die eine positive Rendite bei geringen Schwankungen erwarten lässt?

Offensichtlich wenig, denn schließlich sammelten die Fonds im Jahr 2019 rund 86 Prozent (!) des gesamten Nettomittelaufkommens des deutsche Fondsverbandes ein. Das Video beleuchtet die wichtigsten Punkte aus Anlegersicht.

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