Eingestellt am 31. Januar 2018 · Eingestellt in Alle Publikationen, Markteinschätzung

Die Inflation beträgt 1,6 Prozent und fünfjährige Bundesanleihen rentieren bei Null Prozent. Der Kaufkraftverlust beträgt demnach 160 Euro pro 10.000 Euro Kapital. Auch wenn der Begriff der „Zinswende“ jüngst häufiger zu lesen war stellt sich doch die Frage, ob und wie hoch die Zinsen steigen können. Denn die globale Verschuldung, das große Angebot an Sparkapital und politische Unsicherheiten sind strukturell intakte Trends, die den Rahmen für nachhaltig steigende Zinsen sehr eng machen.

Vermögensklassen im Inflationscheck

Der YPOS Inflationscheck betrachtet die wichtigsten Kategorien der Anleihemärkte und reduziert die indikative Indexrendite (in einen Index kann man nicht direkt investieren), um die Abgeltungsteuer. Die rote Linie zeigt die offizielle Inflationsrate für Deutschland. Lediglich auf Euro lautende Anleihen niedriger Bonität rentieren oberhalb der aktuellen Inflationsrate. Relativ zu den solideren Schuldnern sieht die Rendite gut aus, aber aus der absoluten Perspektive ist die Vergütung für diese Art von Kredit- und Liquiditätsrisiken zu gering. Für schwache Schuldner in den USA werden bessere Renditen gezahlt, aber hier sind Absicherungskosten für das Fremdwährungsrisiko zu berücksichtigen, die die Differenz auffressen.

Deutschland ist nicht die Eurozone

Der Blick auf die deutsche Inflationsrate sollte nicht zu der Erkenntnis führen, dass die Leitzinsen in der Eurozone steigen werden. Schließlich liegt die Inflationsrate für die gesamte Eurozone nur bei 1,3 Prozent (türkis). Dies ist deutlich unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 Prozent (rot). Zudem sucht die Notenbank eine Bestätigung für einen selbsttragenden Aufschwung in der Kerninflationsrate. Diese beinhaltet weder Energie, noch Lebensmittel. Der Wert läuft seit einiger Zeit seitwärts und liegt aktuell bei 1 Prozent (dunkelblau). Die aktuellen Inflationsdaten bestätigen den positiven Wirtschaftsdaten in der Eurozone also (noch?) nicht.

Vielleicht wird man in einigen Jahren auf akademischem Niveau feststellen, dass die gängigen Methoden der Inflationsmessung für die globalisierte Welt mit digitalen Effekten, die deflationär wirken, nicht geeignet sind und die Geldpolitik daher viel zu offensiv war. Das ist allerdings Zukunftsmusik. Heute gilt es die großen finanziellen Fehlentscheidungen zu vermeiden und vor allem die schleichenden Schäden für die eigene Situation zu verstehen. Besonders bei der privaten und betrieblichen Altersversorgung wirken sich die fehlende Renditen dramatisch aus. In der täglichen Beratungspraxis müssen wir leider feststellen, dass dies den meisten Menschen nicht bewusst ist.

Erwartungen ebenfalls unter Plan

Zudem schaut die Notenbank auf die langfristigen Inflationserwartungen. Die aktuelle Erwartung für 5 Jahre in 5 Jahren liegt mit 1,73 Prozent (dunkelblau) ebenfalls unter dem angestrebten Wert von zwei Prozent (rote Linie). Neben der Inflations- und der Kerninflationsrate liegen also auch die marktbasierten Erwartungen an die langfristige Inflationsrate deutlich unter dem Zielwert.

Eine „echte“ Zinswende mit steigenden Leitzinsen ist aus dieser Betrachtung nicht abzuleiten. Sparer sollten als nicht erwarten für Guthaben bei Banken mit deutscher Einlagensicherung auf absehbare eine Verzinsung zu erhalten. Der Anlagenotstand bleibt auf einem sehr hohen Niveau.

Blick in die USA macht Sparern wenig Hoffnung

Zudem zeigt der Blick auf die Realzinsen (Zins abzüglich Inflation) und die USA (dort fanden bereits mehrere Zinserhöhungen statt), dass steigende Leitzinsen erst sehr langsam zu einem Zins führen, der die Inflation kompensiert.

Aus deutscher Perspektive sind die Eurozinsen viel zu gering für die Stärke der heimischen Wirtschaft. Überhitzungstendenzen sind demnach keine Überraschung. Letztendlich sollte eine einheitliche Geldpolitik dort zu höheren Inflationsraten führen, wo die Wirtschaft stärker wächst. Deutsche Anleger sollten sich also intensiv mit diesem Thema beschäftigen. Aktuell liegen über 80 Prozent des Vermögens privater Haushalte in Geldanlagen, die keinen auskömmlichen Realzins für einen Vermögensaufbau bieten und unter steigenden Inflationsraten leiden.

Fazit und ausgewählte Fragen für Anleger

Es bleibt also festzuhalten, dass wesentliche Indikatoren auf die unsere Notenbank schaut keine Zinswende signalisieren. Allerdings ist eine Abkehr von der extrem expansiven Geldpolitik mit monatlichen Anleiheaufkäufen durchaus möglich. Die Gründe liegen auf der Hand: Das systemische Risiko im Euro-Finanzsystem ist massiv gesunken, die Wirtschaft hat positiv überrascht und die Gefahr einer Deflation ist momentan extrem gering. Betrachtet man die großen Notenbanken auf globale Ebene könnten wir den Höhepunkt der geldpolitischen Interventionen bereits überschritten haben. Die Frage die daraus resultiert ist einfach: Für welche Vermögenswerte bezahlt man (der Markt bzw. die Marktteilnehmer) aktuell zuviel? Die Antwort ist komplex: Es kommt auf den Anleger und dessen Präferenzen an. Die Frage ist nur mit einer ganzheitlichen Vermögensstrukturanalyse zu beantworten.

YPOS Kapitalmarkt-Dialog im Februar 2018

Konjunkturdaten, volkswirtschaftliches Umfeld, Anlageklassen, Inflation und Portfoliokonstruktion. Der YPOS Kapitalmarkt-Dialog bietet Ihnen monatlich einen Überblick zu den wichtigsten Trends und Hintergründen an den internationalen Kapitalmärkten. Ersparen Sie sich viel Zeit und Lektüre von Wirtschaftsnachrichten und nutzen Sie unsere gesammelten Informationen. Am Ende des Webinars besteht die Möglichkeit, Fragen an die Referenten zu richten.

Die nächste Webkonferenz „YPOS Kapitalmarkt-Dialog“, findet am Dienstag, den 06. Februar 2018 um 18.00 Uhr statt. Die Dauer beträgt ca. 45 Minuten.

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Über den Autor

Christoph Leichtweiß ist Geschäftsführer der YPOS Vermögensmanagement GmbH.